Wie geht es Ihrem Geschäft? Fachbeitrag zur zukünftigen Rolle der Treuhänder Teil 2

21.12.2020

Schön, dass Sie da sind. Die Fortsetzung ist geglückt. Sie sind hier, haben ein offenes Ohr und stellen sich weiterhin die Frage, wie sie diese Frage beantworten wollen. Sie entscheiden heute über die Bonität eines Unternehmens von morgen. Das ist Tatsache. Wenn Sie wüssten, was Sie herauslesen könnten aus dem Zahlenwerk, dem Habitus, dem Umgang mit Lieferanten und Kunden, könnten wir zusammen den Vernetzungsgrad erhöhen und Ihnen weitere 5-10 Mandanten an die Hand geben. Werfen wir zuvor einen Blick zurück zu der Frage nach der Gegenwart. Und lassen Sie uns den Perspektivenwechsel durchspielen.

Der Treuhänder als Coach

Im Falle von Coaching würden Sie als Treuhänder*in den Gemütszustand erfragen, die Ist-Situation des Mandanten hinterfragen. Sie stellen den geplanten und favorisierten Zustand Ihres Mandanten fest. Dazu gehört die Frage, wo der Mandant beispielweise in drei Monaten stehen möchte. Als Business Coach tauchen Sie darüber hinaus in die unternehmerische Gemengelage ein, legen komplexe Zusammenhänge offen und zeigen Entscheidungsalternativen auf.

Tipp: Personal Coaching bietet einen Blick auf offene Wunden und hilft Ihnen den eigenen Finger in diese Wunde zu legen. Personal Coaching nimmt den Mandanten allerdings keinerlei Entscheidungen ab – weder personell noch unternehmerisch entscheidet der Coach, wo die Reise hingeht. Sie haben eine Chance: als Business Coach ist es Ihr Knowhow, Ihr Gefühl und Ihre Erfahrung aus einem Zahlenwerk, den Gesamtzusammenhang darzustellen und offenzulegen.

Der Treuhänder als Innovator

Inkubatoren, Innovationslabs und Innovateure, Start-ups und Meet-ups haben seit Jahren Hochkonjunktur. Großunternehmen suchen den Spirit von außen, den offenen unverfälschten Blick ohne Stallgeruch des eigenen Unternehmens. Wer sich einen Innovationsmanager oder eine Innovationsmanagerin leistet, plant für die Zukunft. Produkte, Kunden, Geschäftspraktiken werden zur Disposition gebracht. Bewährtes weicht Neuem. Zeit, Energie und Budgets sortieren sich neu und reihen sich mit Personal und der Aufmerksamkeit des Managements auf die neue Direktive ein. Innovation per se wird mit Design Thinking seit Markteintritt in Zusammenhang gebracht. Wie viele Design Thinking Workshops hatten Ihre Erwartungen übertroffen? Welche Ergebnisse haben sich mittelbar auf Ihr Unternehmen ausgewirkt und die Innovationsfähigkeit Ihres Mandanten substantiell beeinflusst? Design Thinking wird als bewährte Methode eingesetzt. Wir stellen aber auch fest, dass sie dann doch eher als Besprechungsvariante im Gedächtnis bleibt und viel Papier erzeugt.

Wo reihen Sie sich hier ein? Fragen Sie sich, ob Sie zu wenige Design Thinking Workshops schon mitgemacht haben oder selbst mal einen Workshop organisieren sollten? Eine Methode ist kein Gradmesser für die unternehmerische Einstellung und den Fortschritt! Stellen Sie sich eher die Frage, wie sehr Sie Innovator sein wollen? In einem Treuhand- und Mandantengeschäft hat dies keinen Platz? Nun, tatsächlich sind Sie Innovatoren von der Stunde 0 an. Werfen Sie einen Blick zurück auf die entscheidende Stunde: erinnern Sie sich noch an diesen Moment, in dem Sie sich entschieden haben, einer Idee nachzugehen, einen Betrieb wieder zum Laufen zu bringen oder als Nachfolger*in im Familienunternehmen die Weichen für die nächsten Jahrzehnte zustellen.

Nicht erst seit Corona, bereits 2019 wurden erste Anzeichen einer Rezession in den Industrieländern notiert. Die Sorge um rückläufige Auftragszahlen hatten Automobilzulieferer.  Statt sich dem Gebot der Innovationsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit einer Branche zu stellen, konzentrierten sich so manche Automobilkonzerne auf Startup-Zukäufe, Werbemaßnahmen und dem Verharren in der eigenen Komfortzone. Allianzen mit Konkurrenten wurden spät geschmiedet, der große Wurf blieb aus. Es fehlen Vorwärtsdenken und der Mut, sich in Frage zu stellen – das Argument der Stabilität und der Ruf der Belegschaft nach eben dieser Stabilität ist vorgeschoben. Unterhalten Sie sich mit Kolleg*innen aus der Produktion in einzelnen Werken. Sprechen Sie mit Kolleg*innen aus der Zulieferbranche. Der Drang nach Veränderung ist längstens da.

Auch ein Schwungrad braucht einen Anstoss 

Wie lässt sich nun das Schwungrad unternehmerischen Erfindertums in Verbindung betriebswirtschaftlicher Leistungsfähigkeit in Gang setzen? Kollaborationen mit Wettbewerbern und Technologie- und Knowhow-Trägern anderer Industrien brechen die Komfortzone auf. Disruptive Testlabore täten allen Branchen gut. Dabei geht es nicht darum selbst in eine Branche einzutauchen, sondern Disruptives Denken und Digitalisierung erlebbar und erfahrbar zu machen. Fühlen Sie sich angesprochen? Für Sie als Mittler zwischen den Kunden und dem Markt ergeben sich ungewohnte und neue Blickwinkel. Welche Ihrer Mandanten denken disruptiv und suchen den innovativen Impuls? Wagen Sie den Schritt nach vorne. Sie als Treuhänder*in haben es in der Hand, Ihre Mandanten an die Hand zu nehmen: Sie wägen neu die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens und den Spielraum eines Unternehmens ab. Sie erkennen, was unternehmerisch möglich ist: Sie kennen die Personaldecke, Anlagestruktur und das Mindset Ihrer Ansprechpartner*innen.

Tipp: Am Anfang aller Technologie-basierten Innovationen steht die Technologie, höher, schneller, nachhaltiger. Am Anfang aller unternehmerischen Innovationen steht das „Warum“, also der Bedarf. Bedarfe zu ermitteln geben ein Blick auf fehlende Produkte und Dienstleistungen im Markt. Sehen Sie sich als Türöffner und erlauben sich, Ihre Mandanten neu zu entdecken. Bedarfsermittlung findet dabei für den Menschen statt. Bedarfsermittlung findet statt für das Produkt, das Ihre Kunden, Lieferanten oder Sie selbst mit auf den Weg bringen. Ihre Tools und Methoden können Ihr Wissen, Ihr Blick fürs Detail und Ihre analytische Fähigkeit sein.