Was sind Smart Contracts? Hat der Treuhänder jetzt wirklich ausgedient?

20.08.2020

Herr Müller will sein Haus verkaufen – einfacher gesagt als getan! Der Kauf und Verkauf von Immobilien ist ein ziemlich komplizierter Prozess, der mit viel Papier- und Vertragsarbeit verbunden ist. Zum Glück kann sich Herr Müller zurücklehnen und diesen Auftrag an das Treuhanderunternehmen seines Vertrauens geben. Beide kommen zum Zug: Der Mandant muss sich nicht mit dem Vertragsmanagement befassen und der Vermittler erhält für seinen Dienstleistungen eine attraktive Vergütung. Doch nun kommen Smart Contracts ins Spiel und versprechen einfache, transparente und direkte Geschäfte ohne Intermediäre. In den Medien wird sogar teilweise als Smart Contract vom neuen «digitalen Treuhänder» gesprochen. Doch ist das überhaupt möglich, Treuhänder durch Maschinen zu ersetzen?

 

Paradigmenwechsel durch «trustless system»
Täglich schliessen Parteien Verträge ab, von denen sie annehmen, dass das Vereinbarte eingehalten wird – eine Garantie gibt es aber nicht. Darum spielen Intermediäre, als Mittler und Wächter des Vertragsgegenstandes und der entsprechenden Inhalte, eine essenzielle Rolle, um diesen Vertrauensaspekt zu überwinden. Doch nun setzt genau hier die Blockchain an. Als sogenanntes Trustless System wurde eine Technologie geschaffen, welches ohne das Vertrauen der Gegenpartei auskommt – man vertraut einzig und allein der Technologie. Es findet also eine Verlagerung der Vertrauensrolle von etablierten Unternehmen und vertrauenswürdigen Personen hin zu einer virtuellen Instanz statt. Eines der grössten Paradigmenwechsel durch die Digitalisierung. Dadurch, dass die vertraglich geschuldete Summe (in Kryptowährung) beim Smart Contract hinterlegt werden und erst nach der Erbringung der Leistung diese Summe freigegeben wird, müssen sich die Vertragsparteien nicht vertrauen und es kann auch auf einen vertrauenswürdigen Intermediär wie bspw. eine Treuhänderin oder eine Bank, verzichtet werden.

Ersetzen Smart Contracts einen Treuhänder?
Prinzipiell ist es durch die Formfreiheit des Schweizer Vertragsrechts möglich – und nicht explizit verboten – einen Vertrag in Programmiersprache aufzusetzen. So ist es auch denkbar, dass anstelle eines Treuhandverhältnisses ein Smart Contract aufgesetzt wird und dort die Bedingungen und die Vermögenswerte hinterlegt werden. Der Smart Contract als «sichere Verwahrstelle» kann so determiniert werden, dass bei Eintreten des Ereignis X (z.B. Geldtransfer) die Forderung entweder automatisch an den Schuldner zurückfällt oder gemäss der Vereinbarung an den Gläubiger übergeht. Beide Parteien können sich so das Honorar für den Mittler sparen. Läuten Smart Contracts also das Ende von Treuhändern als Mittler ein? Wir können Sie beruhigen. Unserer Meinung nach kann die Technologie den Treuhänder nach wie vor nicht ersetzen. Zu bedenken ist nämlich unter anderem, dass ein Smart Contract als Software keine Rechtspersönlichkeit besitzt und die Technologie höchstens eine Art Treuhänderfunktion einnehmen kann, wobei hier kein vertragliches Verhältnis eingegangen wird, sondern Eigeninteressen mit Hilfe von Technologie verfolgt und die Vermögenswerte keiner unabhängigen Partei mehr übergeben werden. Unserer Meinung nach ist es eher denkbar, dass im Rahmen eines Treuhandverhältnisses Smart Contracts eingesetzt werden. So findet die neue Technologie als neues Tool zur Optimierung von Vertragsprozessen im Treuhand-Repertoire ihren Platz und ihre Berechtigung.

Junge Technologie mit viel Potential für die Treuhandbranche
Die Smart Contract Technologie ist zwar noch sehr jung, aber sie eignet sich grundsätzlich für die selbstständige Abwicklung von Verträgen, bei denen Vermögenswerte entgegengenommen sowie nach Eintritt der vorprogrammierten Bedingungen an die andere Partei weitergeleitet werden. Die digitalen Verträge dienen unbestrittenermassen einer vereinfachten und automatisierten Ausführung und Durchsetzung von gewissen Vertragsbestandteilen, von denen auch Treuhandunternehmen profitieren können. Das Bild der neuen Technologie wird zwar noch geprägt von viele Spekulationen, Kinderkrankheiten, wie mangelnde Skalierung und ein hoher Energieverbrauch. Zudem muss vor einem massen-tauglichen Einsatz erst ein regulatorische Grundrahmen erarbeitet werden, denn bis jetzt fehlen Vorgaben durch den Gesetzgeber, oder durch die EU (Stichwort: DGSVO). Auch die Rolle von Intermediären für blockchainbasierte Verträge muss neu definiert werden. Mit der Zeit wird die Technologie dennoch weiter perfektioniert und die Mitte der Gesellschaft erreichen. Das bedeutet aber auch, dass für einige Berufsgruppen, wie z.B. Notare, Treuhänder, Buchhalter, Steuerberater oder grundsätzlich alle Instanzen, die für die Vereinbarung von Verträgen zuständig sind Smart Contracts als Erleichterung für ihre Arbeit dienen oder sie zukünftig gänzlich verändern. So oder so muss sich der Treuhänder Gedanken darüber machen, ob er die Technologie für sich in Anspruch nimmt und als Erweiterung seines Geschäftsmodells versteht und in diesem Rahmen neue Dienstleistungen anbietet.

 

Lassen Sie sich inspirieren!

In diesen Blogs zeigen wir Ihnen wo Sie mit der Digitalisierung Ihrer Prozesse beginnen können und welche neue Services Sie Ihren Mandanten anbieten können: